Der Pilot · Q1 2026

Wir haben unseren eigenen Vertrieb als Software gebaut.

24.000 Mails an deutsche Metallverarbeiter. Sechs Wochen. 1.500 Euro an Tool-Kosten. 12 qualifizierte Termine, alle gehalten. Erste Angebote draußen, Pipeline läuft. Was dabei gut lief, was nicht — und warum wir den Stack für Kunden jetzt anders bauen.

24.000+
Erstkontakte
über 6 Wochen
1,3 %
Antwortrate
branchenüblich solide
~1.500 €
Tool-Kosten
ohne Arbeitszeit
12
Termine
alle gehalten
Warum

Bevor wir das anderen verkaufen, mussten wir wissen, ob es funktioniert.

Die e-findo GmbH macht Software für Industriekunden — das ist eine Branche mit langem Verkaufszyklus. Entscheider sitzen oft in mittelständischen Familienbetrieben, nehmen keine Cold Calls an und antworten auf Standard-Mails nicht. Klassisch hieß das: Messen abklappern, Außendienst-Tour, Empfehlungs-Marketing.

Mitte Februar 2026 hatten wir genug. Statt mehr Personal in den klassischen Vertrieb zu stecken, wollten wir testen, ob sich der ganze Prozess automatisieren lässt. Das war das eigentliche Ziel des Pilots: rauszufinden, ob KI-gestützter Outbound für deutsche Industrie-Käufer überhaupt durchkommt — bevor wir das Modell als Dienstleistung an andere Firmen verkaufen.

Eigene Software an die eigene Zielgruppe verkaufen, mit einem System, das wir notfalls anderen Kunden weiterreichen können. Test bestanden heißt: leadrix wird ein echtes Produkt. Test gefloppt heißt: wir lassen es lieber.

Zielgruppe

Eng. Sehr eng.

Alles wo Späne fallen oder Metall geschnitten wird: Drehereien, Stanzereien, Lohnfertiger, Lasercut-Buden, Werkzeugbau, kleinere CNC-Werkstätten. Mindestens 100 Mitarbeiter — darunter sitzt selten jemand, der eine Beschaffungsentscheidung allein treffen kann.

Region: Süddeutschland, Österreich, deutschsprachige Schweiz. Der Hegau ist quasi unser Hinterhof — wir kennen die Mentalität, wissen welche Subject-Lines im schwäbisch-alemannischen Raum sofort als „Werbe-Müll" markiert werden, und welche Argumente durchkommen. Norddeutsche und ostdeutsche Märkte haben eigene Eigenheiten, die haben wir bewusst rausgehalten, um den Test scharf zu halten.

Apollo hat uns trotzdem gelegentlich Kontakte außerhalb der ICP-Definition reingespült — ein DAX-100-Konzern war auch dabei, hat sogar Unterlagen angefragt, dann aber nichts mehr gemeldet. Lehre daraus: die Mails kommen durch, auch in unerwarteten Häusern. Aber „Interesse" und „Geschäft" sind zwei verschiedene Dinge. Die 12 echten Termine waren am Ende alle innerhalb der ICP — Mittelständler mit konkretem Beschaffungs-Anlass.

Stack

Pragmatisch zusammengesteckt.

Kein Selbstbau. Standard-Tools, gut zusammengeschaltet, mit Claude als Personalisierungs-Layer. Die Drosselung war wichtiger als die Tool-Auswahl.

  • Apollo
    Decision-Maker-Daten
    US-Datenquelle. Für deutsche KMU stellenweise veraltet.
    99 USD / Monat
  • Make.com
    Workflow-Orchestrierung
    Vier Scenarios: Versand, Reply-Detection, Follow-up (3 Stufen), Apollo-Lead-Pull alle 24h.
    ~50 EUR / Monat
  • Anthropic Claude Sonnet 4.6
    Personalisierung & Reply-Klassifizierung
    Jede Mail einzeln geschrieben. Keine Templates, keine Variablen-Platzhalter.
    ~600–800 EUR Tokens
  • Strato SMTP
    Versand über hello@e-findo.de
    Eine Domain. Kein Subdomain-Pool. Hat geklappt — würden wir heute nicht mehr so machen.
    Im e-findo-Vertrag
  • Google Sheet
    Pipeline-Datenbank
    Reicht für einen Pilot. Für Kunden bauen wir richtige Dashboards.
    0 EUR

Versand-Drosselung: 25 bis 50 Mails pro Stunde, über Tage verteilt. Nicht weil Strato nicht mehr könnte. Sondern weil eine Domain, die plötzlich 5.000 Mails am Tag rausschickt, von Google und Microsoft umgehend als Spam markiert wird. Reputation kommt vor Volumen.

Was passiert ist

Tag drei kamen die ersten Antworten.

Tag fünf der erste Calendly-Klick. Antwortrate stabilisierte sich bei 1,3 Prozent — über die ganze Strecke ungefähr 312 Reply-Mails. Davon nur ein Bruchteil echtes Interesse: viele höfliche „Schicken Sie mal Unterlagen", Out-of-Office-Bots, klare Absagen, ein paar Beschwerden über DSGVO (kein einziger rechtlicher Schritt, aber die kommen vor und werden automatisiert mit korrektem Opt-out beantwortet).

Was Claude dann tat, hat uns selbst überrascht. Bei jeder eingehenden Antwort klassifizierte das System den Typ — Calendly-Buchung, inhaltlicher Einwand, Opt-out, Autoresponder — und antwortete bei Einwänden eigenständig. Nicht mit Templates. Kontextuell.

Beispiel: jemand schrieb zurück „Wir nutzen schon SAP". Generische Outbound-Tools würden hier abbrechen oder eine Standard-„Aber unser Tool ist anders"-Mail schicken. Claude fragte stattdessen: „Wo genau im SAP-Workflow stockt es bei Ihnen am häufigsten — in der Material-Disposition, der Containerlogistik oder beim Reporting?" Drei Mails später stand der Termin.

Erst wenn Claude erkannte: das wird ein konkreter Termin, oder dieser Mensch will jetzt mit einem echten Vertriebler sprechen — kam die Übergabe an uns. 12 Mal kam diese Übergabe. Ab da waren Menschen dran.

Aha-Moment

Das ist nicht „Vertrieb mit KI". Das ist Vertrieb als Software.

Klassische Outbound-Tools brauchen einen Vertriebler, der Antworten liest und reagiert. Hier war das nicht so. Claude führte komplette Mail-Wechsel mit Interessenten — drei, vier Hin-und-her-Mails — bis ein Termin im Kalender stand. Wir saßen in der Zwischenzeit nicht im Postfach. Sind morgens an den Rechner gegangen und hatten Termine.

Das war der Punkt, an dem aus einem internen Test eine Produkt-Idee wurde. Wenn das für uns funktioniert — warum sollten andere DACH-Mittelständler nicht das Gleiche bekommen? Mit einem Stack, der die Sachen aufgreift, die bei uns im Pilot nicht so gut liefen (siehe unten).

Kosten

Knapp 1.500 Euro über sechs Wochen.

Ohne Arbeitszeit fürs Setup gerechnet — das war einmalig. Laufende Kosten setzten sich zusammen aus Apollo, Make.com, Anthropic-API-Tokens und ein bisschen Strato-SMTP-Volumen, das im e-findo-Vertrag ohnehin schon drin war.

pro Erstkontakt
0,06 €
pro qualifiziertem Termin
125 €

Zum Vergleich: ein Außendienstler im Maschinenbau kostet je nach Region 6.000 bis 8.000 Euro im Monat plus Provision und Spesen. Im selben Zeitraum kommt der typischerweise auf fünf bis zehn Kalender-Termine. Das ist nicht „Außendienstler abschaffen" — das ist „Außendienstler bekommen Termine, die schon halb angeschoben sind".

Was nicht so gut lief

Drei Sachen waren ehrlich nicht so dolle.

01

Apollo-Daten für deutsche KMU sind oft veraltet

Bounce-Rate lag bei rund 8 Prozent. Bei sauberen US-Listen sind 2 bis 3 Prozent normal. Apollo hat in DACH einen blinden Fleck — viele Daten kommen aus LinkedIn-Crawls von 2022/2023, die für deutsche Mittelständler nicht aktualisiert werden. Für Kunden setzen wir deshalb auf Dealfront und Cognism.

02

Eine einzige Versand-Domain ist Reputation-Glücksspiel

24.000 Mails über hello@e-findo.de. Hat geklappt, weil wir die Drosselung ernst genommen haben. Aber: bei jeder Beschwerde, jedem Spam-Report wäre die Domain weg gewesen — und damit unsere komplette Geschäfts-Kommunikation auch. Für Kunden registrieren wir 3 bis 5 separate Subdomains und wärmen sie 2 bis 3 Wochen lang auf, bevor Volumen drüber läuft.

03

Make.com ist mächtig, aber US-orchestriert

DSGVO-Compliance über Auftragsverarbeitungsverträge mit Make.com (Hauptsitz: Tschechien, Hosting in den USA) ist machbar — aber für deutsche Mittelständler mit eigenem Datenschutzbeauftragten kommt die Frage zuverlässig auf. Self-hosted n8n in deutscher Cloud ist die saubere Lösung. Migrieren wir gerade.

Wo wir jetzt stehen

Folgegespräche laufen, Angebote sind raus, Abschlüsse stehen aus.

Aus den 12 Terminen sind Folgegespräche und konkrete Angebote entstanden. Die ersten Aufträge sind in Prüfung — Mittelstands-Vertrieb hat eigene Zyklen, Beschaffungs-Entscheidungen brauchen Wochen, oft Monate.

Wir machen das hier transparent. Keine Hochrechnungen, keine „pipeline value von X Millionen"-Märchen. Was zählt ist: das System hat funktioniert, wir wissen jetzt was bei uns geht und was nicht. Die nächsten Wochen zeigen, wieviel von der Pipeline zu Geschäft wird. Wenn etwas abgeschlossen wird, kommt es hier rein. Wenn nichts abgeschlossen wird — auch das.

Wenn das nach Ihrem Vertriebsproblem klingt — sprechen wir.

Erstgespräch, kostenlos, ohne Verkaufsdruck. Wir prüfen konkret, ob Ihr Geschäftsmodell für unseren Ansatz passt — und sagen es ehrlich, wenn nicht.

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